AfA aktuell · Rubrik 4
Die Gesundheitskrise
Die medizinische Versorgung in Afghanistan befindet sich in einem katastrophalen Zustand. Jahrzehntelange Konflikte, verheerende Naturkatastrophen und der massive Rückzug internationaler Gelder nach der Machtübernahme der Taliban im August 2021 haben das Gesundheitssystem an den Rand des totalen Zusammenbruchs geführt. Im Jahr 2026 benötigen schätzungsweise 14,4 Millionen Menschen dringende gesundheitliche Unterstützung. [1, 2, 3, 4]
Die Kernprobleme
1. Massive Unterfinanzierung und Klinikschließungen
Der drastische Einbruch internationaler Hilfsgelder hat die Infrastruktur gelähmt. Bis Anfang 2026 mussten mehr als 400 Gesundheitseinrichtungen schließen, wodurch über 3 Millionen Menschen den direkten Zugang zu medizinischer Basisversorgung verloren haben. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) warnt, dass zeitweise nur ein Bruchteil des benötigten Budgets gedeckt ist. [1, 2, 3, 4]
2. Akute Mangelernährung bei Kindern und Müttern
Die Gesundheitskrise ist untrennbar mit einer verheerenden Hungerkrise verbunden. [1]
- Kinder im Visier: Rund 3,7 Millionen Kinder unter fünf Jahren leiden an akuter Mangelernährung. Bis 2027 droht diese Zahl laut Prognosen von UNICEF auf über 4 Millionen anzusteigen. [1, 2, 3, 4]
- Mütter in Gefahr: Über 1,2 Millionen schwangere und stillende Frauen sind akut unterernährt. Kliniken berichten von einer stark steigenden Zahl von Frühgeburten und untergewichtigen Neugeborenen. [1, 2, 3]
3. Ausschluss von Frauen und kollabierende Geburtshilfe
Die systematischen Restriktionen der De-facto-Behörden gegen Frauen beeinträchtigen die medizinische Versorgung fatal: [1, 2]
- Da Frauen die Ausbildung an Universitäten untersagt ist und sie im öffentlichen Raum strenge Auflagen (wie das Mahram-Gebot) befolgen müssen, herrscht ein akuter Mangel an weiblichem Fachpersonal. [1, 2]
- Patientinnen dürfen oft nur von Frauen behandelt werden. Das Resultat: Afghanistan verzeichnet weiterhin eine der höchsten Müttersterblichkeitsraten weltweit. [1, 2]
4. Rückkehrerwelle und Epidemien
Die erzwungene Massenrückkehr von über zwei Millionen Afghanen aus den Nachbarländern Iran und Pakistan setzt das verbliebene System unter enormen Druck. Gleichzeitig begünstigen der Mangel an sauberem Trinkwasser und ausbleibende Impfkampagnen den Ausbruch von Infektionskrankheiten wie Masern, akutem wässrigem Durchfall (AWD) und Polio. [1, 2, 3, 4]
Quellen
- WHO (World Health Organization): Afghanistan: WHO Health Emergency Appeal 2026 (veröffentlicht im Februar 2026) – Daten zum Bedarf von 14,4 Millionen Menschen und Infektionsrisiken.
- UNICEF Deutschland: Krise in Afghanistan: Hunger, Gewalt, Naturkatastrophen (laufende Berichterstattung 2026) – Zahlen zur kindlichen Mangelernährung und Hilfseinsätzen.
- UNOCHA (United Nations Office for the Coordination of Humanitarian Affairs): Afghanistan: Humanitarian Update & Humanitarian Needs and Response Plan 2026 – Berichte zu Klinikschließungen, Budgetkürzungen und der Lage von Frauen. [1]
- Deutsches Ärzteblatt: Gesundheitsversorgung in Afghanistan verschlechtert sich (August 2026) – Berichte über unterfinanzierte Kliniken und die Situation der Geburtshilfe.
- Human Rights Watch: World Report 2026: Afghanistan – Analyse der Auswirkungen westlicher Hilfskürzungen und restriktiver Gesetze auf die Zivilbevölkerung. [1]
- BBC News (2024): Afghan women “banned from midwife courses” in latest blow to rights
- UNFPA (2025): UN / UNFPA Afghanistan press conference, Andrew Saberton (UN Web TV / UNifeed)